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Auf der Suche nach menschenfreundlicher TechnologieBevor wir am Samstag, den 12. 03. 2011 zur Menschenkette gegen eine atomare Energieversorgung aufgebrochen sind, war es nicht sicher, ob die Kernschmelze in Fukushima zur Realität geworden ist. Aber dennoch lag es bereits auf der Hand: Die Krise, in der die Erdenbewohner seit Jahrzehnten in geistiger wie in psychischer Hinsicht stecken, ist nicht mehr zu verbergen noch zu verharmlosen. Die menschliche Ratio hat in großen Bereichen den Kampf gegen eine kurzsichtige Ökonomie verloren. Kapitalkräftige Energiekonzerne haben es selbst im erdbebengeschüttelten Japan geschafft, ihre Ideologie des alternativlosen und billigen Atomstroms in den Köpfen zu verankern. Das kann natürlich nur auf dem Hintergrund eines Denkens gelingen, das sich einer zugleich vermessenen und naiven Gläubigkeit in Großtechnologie verschrieben hat. Die menschlich-unmenschliche Hybris des „Wir-Haben-alles-im-Griff“, des Wir-Beherrschen-alle-Risiken“ und des „Wir-Sichern-uns-gegen-alle-Eventualitäten-Ab“, hat die Mehrheiten vor allem in den Industriestaaten „besoffen“ gemacht. Man ist dort dazu übergegangen, nicht mehr auf angepasste, fehler- und damit menschenfreundliche Technologien zu setzen sondern auf die hochrisikobehaftete, zentrale Großtechnologie. Mögliche negative Folgen wurden vernachlässigt und ins Reich einer unwahrscheinlichen Zukunft verdrängt. Bedenkenträger unerwünscht! Darin unterscheiden sich die schwarzgelben RechtfertigerInnen der Atomtechnologie in Deutschland nicht von ihren VerfechterInnen in Japan. Einziger Unterschied: Risiken durch Erdbeben stehen in Deutschland nicht im Mittelpunkt. Hier sind es andere Risiken: Über Jahrzehnte „zwischengelagerter“ Atommüll stapelt sich ungeschützt neben den Reaktoren; alte Pannenreaktoren mit signifikant höherer Störanfälligkeit erhalten christlich-liberale Laufzeitverlängerung; die Endlagerung wird in Salzstöcken mit Wassereinschlüssen gesucht und ist nicht ergebnisoffen. Auf der andern Seite wird die Förderung alternativer Technologien zurückgefahren. Der atomaren Dino-Technologie und ihren VerfechterInnen ist es so gelungen, den Siegeszug der Erneuerbaren Energien zu verlangsamen. Sie wurden als unmoralische Subventionsempfänger diskreditiert. Gibt es einen Ausweg aus dieser Sackgasse? Ja, wenn sich die Menschheit aus ihrer teils selbstverschuldeten Ohnmacht befreit. In Deutschland hieße dies als Einzelperson: Ich beziehe nur noch sauberen Strom aus Wind-, Sonnen-, Wasserkraft und aus hocheffizienter Kraft-Wärmekopplung, wie er bspw. von den Energiewerken Schönau erhältlich ist. Kostet mich einige Minuten zum Ausfüllen des Anmeldeformulars. Als Staat heißt dies: Endgültige Stilllegung unserer acht ältesten Schrottreaktoren, die sowie-so öfter vom als am Netz sind. Rücknahme der Laufzeitverlängerung einerseits und wieder verstärkte Förderung des Ausbaus der Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien. Für Japan kommt dies alles zu spät. Für Deutschland?
Heinz Renz, Holzgerlingen |
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