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Kurzansprache zum 25. Dienstjubiläum von BM Dölker

(GR-Sitzung vom 22.2.2011)

 

Sehr geehrter Herr Dölker,

die „Bürger für Natur- und Umweltschutz“ gratulieren Ihnen herzlich zu Ihrem 25-jährigen Dienstjubiläum!

Es sind bzw. waren 25 Jahre Arbeit, die das Gesicht Holzgerlingens gründlich verändert haben – vom Ortskern bis in die Außenbereiche, bei den Schulen, in der Kinderbetreuung und der Jugendarbeit, bei den Straßen, Spielplätzen und Sportstätten, in der Altenbetreuung und Pflege, bei Neubaugebieten und bei der Ansiedlung von Gewerbe und Industrie usw.

Sie haben sich dabei unermüdlich für Holzgerlingen eingesetzt und Vieles zu dessen Wohl erreicht. Dafür gebührt Ihnen auch unser Dank und unsere Anerkennung.

Aber sie haben auch Dinge durchgesetzt, die uns nicht oder nur wenig gefallen haben.

Ich selbst erinnere mich an zwei Ereignisse ziemlich am Anfang Ihrer Amtszeit in Holzgerlingen: das eine ist der Ausbau der Friedhofstraße und unser Antrag, einen Teil der Hermannstraße zu einer verkehrsberuhigten Zone zu machen – das andere der Bau des Golfplatzes auf dem Schaichhof. Ersteres hatte mich ziemlich positiv gestimmt, weil sich zum ersten Mal eine etwas andere Art der Entscheidungsfindung angedeutet hatte. Letzteres bedeutete meinen ersten öffentlichen Auftritt, mit dem wir als eine Bürgerinitiative die Verwaltung von einem Vorhaben abbringen wollten und wo Sie mit allen Mitteln Ihre Position gegen die Bürgerbewegung durchgesetzt haben – für mich war das eine herbe Enttäuschung.

Diese Dialektik in der Haltung zu Ihren Vorhaben und Ideen hält bis heute an und kennzeichnet wohl auch bis heute die Positionen der BNU.

Ich (und wir alle von der BNU) haben inzwischen zu akzeptieren gelernt, dass das nichts Außergewöhnliches ist im politischen Geschäft auch einer Gemeinde. Unterschiedliche Meinungen und Wertsetzungen gehören zu einer Demokratie und sollten positiv bewertet werden, solange sie mit der notwendigen Fairness und gegenseitiger Achtung ausgefochten werden. Das ist uns allen über weite Strecken gelungen, in einzelnen Fällen allerdings – von beiden Seiten - nur mangelhaft.

Einige Arbeitsfelder haben gegenseitig nur wenig unterschiedliche Einschätzungen verursacht, wie z.B. der Aufbau einer systematischen Altenbetreuung, der Ausbau der Kindergärten und Spielplätze, die Pflege der Bedürftigen, die Belebung und das attraktive Gestaltung des Ortskerns.

Bei anderen Arbeitsfeldern haben wir lange und häufig Vorschläge gemacht, Anträge gestellt, kritisiert und diskutiert, bis sich etwas in unserem Sinne bewegt hat – und Sie eine in Ihren Augen „darstellbare“ (wie Sie das so gerne umschreiben) Umsetzungsmöglichkeit gefunden hatten. Das waren z. B. die offene Jugendarbeit, die Blockheizkraftwerke, die Gemeinschaftssolaranlage, Gewässerrenaturierungen, die ökologische Aufwertung des Außenbereichs, die wärmetechnische Sanierung der städtischen Gebäude und – last but not least – die Schönbuchbahn.

Aber es gab auch Bereiche, wo wir klare und herbe Niederlagen einstecken mussten oder nur ansatzweise unsere Vorstellungen einbringen konnten. Dazu gehören der schon erwähnte Golfplatz, der Ausbau der B 464, die Stadterhebung, der Konzessionsvertrag (und damit zusammenhängend die Einbeziehung der Strom- und Gasversorgung in die Stadtwerke) sowie die Neuerschließung umfangreicher Flächen im Außenbereich bei gleichzeitiger intensiver Verdichtung im Innenbereich. Manche dieser Konfliktfelder dauern an und werden auch in Zukunft immer wieder viel Anlass zur Diskussion geben.

Deshalb möchte ich zum Ende auch zwei Bereiche nennen, für die wir uns von der BNU für Ihre weitere Amtszeit eine intensivere Verständigung und eine offenere Diskussion wünschen – und wir hoffen, dass der angelaufene Prozess zum Stadtentwicklungskonzept uns allen dafür neue Sichtweisen und Perspektiven ermöglicht und eröffnet.

Ich greife dazu zwei der Visionen auf, welche die BNU beim ersten Treffen der Verwaltungs-Arbeitsgruppe formuliert hat – nicht zuletzt um auch zu zeigen und zu betonen, dass man auch aus der Formulierung von Wünschen und Visionen herauslesen kann, dass es noch Defizite im schönen Holzgerlingen gibt! (Sie hatten ja bei der Bürgerversammlung gesagt, dass bei diesem Treffen niemand Defizite benannt habe – wir sehen das anders.)

· Vision 1:

Holzgerlingen als Modellstadt für Klimagerechtigkeit und Nachhaltigkeit

Dafür wünschen wir uns nicht nur eine breite Beteiligung der Bürger und deren Bereitschaft, an diesen Zielen mitzuwirken – sondern auch von Ihnen Ihre ganze Phantasie, Kreativität und Durchsetzungsfähigkeit für das Erreichen dieses Ziele. Es sollte so sein, dass man von Holzgerlingen spricht, weil es gerade in diesem wichtigen Bereich Vieles, ja vielleicht sogar Bahnbrechendes erreicht hat. Dieses Ziel hat – aus unserer Sicht – den Schweiß der Besten verdient!

· Vision 2:

Holzgerlingen als Modellstadt für mehr gelebte Demokratie

Wir alle loben bei vielen Anlässen die Bereitschaft vieler BürgerInnen zu ehrenamtlichem Engagement. Aber es gäbe sicher noch viele Möglichkeiten, die besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse der BürgerInnen in die Entscheidungsprozesse der Stadtverwaltung und in deren Umsetzung einzubeziehen und dafür zu nutzen. Es gäbe noch viele bisher ungenutzte Chancen, die Informationsflüsse zu verbessern und die EinwohnerInnen als mündige StaatsbürgerInnen zu behandeln. (Ihre Antwort auf eine Frage in dieser Richtung, die Sie bei der Bürgerversammlung gegeben haben, würden wir deshalb gerne als vorläufig betrachten!) Auch hier ist unser aller Phantasie und Kreativität gefordert!

In diesem Sinne wünschen wir von der BNU uns allen eine fruchtbare Zusammenarbeit auch in der Zukunft – eine Zusammenarbeit, die interessant, spannungsvoll und kontrovers ist, aber immer auch von Fairness, Offenheit und gegenseitiger Achtung geprägt sein wird.

W. Hahn (für die BNU)

Fraktionsvorsitzender

im Februar 2011

 

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